Jesus trägt sein Kreuz

Er trug sein Kreuz und schleppte sich aus der Stadt hinaus zu dem sogenannten Schädelplatz, der auf Hebräisch „Golgota“ heißt.

(Johannes-Evangelium, Kapitel 19 Vers 17

In den Erzählungen aller vier Evangelien macht sich der von Folter geschundene und zum Tod verurteilte Jesus mit dem Holz auf seinen Schultern auf den Weg zu seinem Hinrichtungsplatz. Was jedoch auffällt: Während bei Matthäus, Markus und Lukas ein zufälliger Augenzeuge von Soldaten gezwungen wird, dem zu geschwächten Verurteilten das Kreuz zu tragen, bleibt Jesus im Bericht des Evangelisten Johannes im wahrsten Sinn des Wortes hilflos und trägt sein Kreuz alleine. Mich interessiert hierbei weniger die historische Frage, wie es denn nun genau war. Vielmehr bringen beide Varianten eine eigene Wahrheit zum Ausdruck: Es gibt Dinge, die können wir einander nicht abnehmen. Jeder Mensch lebt sein eigenes Leben und trägt dabei – im übertragenen Sinn – ein je eigenes Kreuz. Ob wir es nun Schicksal, Fügung, Zufall oder eben einfach Leben nennen – es gibt Herausforderungen, Erfahrungen und Entscheidungen im Leben, die ich keinem abnehmen kann. Doch gilt ebenso: Ich lebe nicht nur für mich, sondern mit, neben und unter anderen. Und hier kann ich in Worten, Taten und Gesten helfen, zu tragen, Glück- und Unglück zu teilen, Anteil zu nehmen und mich als Mitmensch und Nächster zeigen. Jeder Mensch lebt nur sein eigenes Leben – aber niemand lebt nur für sich allein!

Text: Pastor Daniel Cremers

Musik: Kantorin Anne Michael über EG 97 – Holz auf Jesu Schulter

Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen … ?

Ev. Gesangbuch Lied 81

Jesus vor Kaiphas

Jesus vor Kaiphas

Ja, Jesus, was hast du getan, dass man keine andere Möglichkeit des Umgangs mit dir sieht als dich töten zu lassen? Da stehst du nun vor Kaiphas und den anderen Hohepriestern. Und obwohl es vorher Hinweise gab, dass dein Tun auch Missfallen hervorruft, so ist es doch immer wieder erschütternd, dass dein Weg ans Kreuz führen soll. Was hast du verbrochen?

Du bist jemand, der sich etwas getraut hat. Du hast es ernst gemeint mit deiner Liebe zu Gott und zu den Menschen. Hast dich nicht versteckt hinter Tempelmauern. Bist rausgegangen zu den Geächteten, den Kranken. Hast den Feiertag geheiligt, indem du einen Mann heiltest. Hast die Frau, die Ehebruch begangen hat, durch Klugheit vor der gesetzesgemäßen Steinigung bewahrt.

Deine Furcht hast du im Garten Gethsemane gelassen. Vor Kaiphas stehst du ruhig, du bist dir deiner Sache sicher. Denn du weißt: Nichts kann dich trennen von Gott – auch kein ungerechtes Urteil und auch der Tod nicht. Du bleibst der Sohn Gottes über dein irdisches Leben hinaus. Du zeigst mir, du zeigst uns, dass unsere Verbindung zu Gott bleibt, im Leben und im Sterben. Das gibt mir Trost und die Kraft, mit dir den Weg bis zum Kreuz zu gehen.

Und Kaiphas sprach zu Jesus: „Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, dass du uns sagst, ob du der Christus bist, der Sohn Gottes“. Jesus sprach zu ihm: „Du sagst es.“

Matthäus-Evangelium, Kapitel 26, Vers  63f

Text: Pastorin Nadia Kamoun

Musik: Annette und Sebastian Hilmes über EG 81 – Herzliebster Jesu

„Mein Vater, ist´s möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber!“

Jesus betet im Garten Gethsemane – Matthäus 26, 29

Im Garten von Gethsemane

Das letzte Abendmahl liegt hinter ihnen. Gemeinsam mit seinen Freunden macht Jesus sich auf den Weg Richtung Ölberg. Er sucht die Abgeschiedenheit des Garten Gethsemane, um sich offen von der Seele zu beten, was ihn als Mensch bewegt, was ihn ängstigt. Er bittet seine Freunde: „Bleibt hier und wacht mit mir!“ Und zu Gott: „Mein Vater, ist´s möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber!“

Es ist eine Schicksalsnacht. Seine Schicksalsnacht. Eine Nacht, in der sich die Ereignisse überschlagen werden. Eine Nacht, in der Jesus von engsten Freunden verraten, verleugnet und verlassen werden wird. Die sind jetzt schon schwach. Schlafen ein, statt ihm beizustehen.

Umso mehr sucht Jesus Gottes Nähe. Klammert sich an ihn und ringt gleichzeitig mit ihm. Bis er schließlich den Satz auszusprechen vermag, den auch wir in jedem Vaterunser beten, und der längst nicht immer leicht über die Lippen kommt: „Dein Wille geschehe!“

Am Ende ist es immer noch Nacht. Doch Jesus geht los. Mit all dem, was in ihm ist an Angst und Ungewissheit, aber auch an Vertrauen und Mut.

Text: Pastorin Esther Reininghaus-Cremers

Musik: Kantorin Anne MIchael über EG 789.2 – Bleibet hier und wachet mit mir

Das letzte Abendmahl

„Als sie aßen, nahm Jesus das Brot, dankte und brach’s und gab’s ihnen und sprach: Nehmet; das ist mein Leib. Und er nahm den Kelch, dankte und gab ihnen den; und sie tranken alle daraus.“

Markus–Evangelium, Kapitel 14, Verse 22 und 23

Das letzte Abendmahl

Was fällt mir zum letzten Abendmahl ein? Es ist nicht der Geschmack der Oblate oder des Traubensafts. Ich erinnere die Gemeinschaft, wie wir nebeneinander und miteinander im Kreis versammelt waren.

Und beides Mal wurde mir zugesagt „Für dich“, beim Brot und auch beim Kelch. Ich bin im Glauben mit Christus verbunden mit seinem Leib und seinem Blut. Ich nehme Anteil an seinem Tod und seiner Auferstehung.

Ich schmecke und sehe, aber eigentlich höre ich auch beim Abendmahl seine Worte der Liebe: „Kommt zu mir“ und „Ich bin bei euch“.  Gott hält an seinem Bund  mit den Menschen fest.

Im Dom reichen wir uns zum Segenswort die Hände. Manche bekräftigen das mit einem freundlichen Nicken, bevor wir zurück auf unseren Platz und unsere Wege gehen.

Beim letzten Abendmahl Jesu sitzt der Jünger Judas mit am Tisch. Die Verhaftung Jesu steht bevor. Doch der die Schuld auf sich lädt, wird nicht vom Tisch verwiesen.  Alle, die schuldig geworden sind durch ihr Tun oder Lassen, sind zum Abendmahl eingeladen. Wir alle leben von der Liebe und der Vergebung Gottes.

Text: Pastor Thomas Baum

Musik: Kantorin Anne Michael über EG 223 – Das Wort geht von dem Vater aus

Ein neuer musikalischer Gruß

Uns hat ein erneuter musikalischer Gruß von Sebastian Hilmes (Leiter unseres Posaunenchores) und seiner Frau Annette erreicht. Wir freuen uns sehr darüber und veröffentlichen ihn hier an dieser Stelle mit einem herzlichen Gruß!

Bleibt behütet und von Gott bewahrt auf Euren Wegen und wer mag, stimme einfach mit ein:

1. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,
sei mit uns auf unsern Wegen.
Sei Quelle und Brot in Wüstennot,
sei um uns mit deinem Segen,
sei Quelle und Brot in Wüstennot,
sei um uns mit deinem Segen.
2. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,
sei mit uns in allem Leiden.
Voll Wärme und Licht im Angesicht,
sei nahe in schweren Zeiten,
voll Wärme und Licht im Angesicht,
sei nahe in schweren Zeiten.
3. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,
sei mit uns vor allem Bösen.
Sei Hilfe, sei Kraft, die Frieden schafft,
sei in uns, uns zu erlösen,
sei Hilfe, sei Kraft, die Frieden schafft,
sei in uns, uns zu erlösen.
4. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,
sei mit uns durch deinen Segen.
Dein Heiliger Geist, der Leben verheißt,
sei um uns auf unsern Wegen,
dein Heiliger Geist, der Leben verheißt,
sei um uns auf unsern Wegen.