Singend beten im Dom

domMeldorf – Es sind schöne, klare Gesänge, die an diesem Abend durch den Meldorfer Dom schweben. Ganz leicht setzt der kleine Chor an: Zunächst einstimmig singt er die Melodien, und schon beim zweiten Durchgang eröffnet er die Fülle der Mehrstimmigkeit. Der Dom ist von Kerzen erhellt, „Christus, dein Licht, verklärt unsere Schatten“ singt der Chor gemeinsam mit der Gemeinde, die sich ruhig in den Bänken versammelt hat und die betend genießt.

Nicht große Worte stehen im Mittelpunkt der Taizé-Andacht, die von Pastorin Nadia Kamoun und Pastor Benjamin Pohlmann initiiert wurde. Die Musik, die Stille, die Gemeinschaft, das Licht – das sind die zentralen Elemente, die die beiden der Bruderschaft des südfranzösischen Taizé entlehnen. Dort leben seit vielen Jahren evangelische Mönche in einer Bruderschaft und laden Jugendliche aus aller Herren Länder ein, mit ihnen gemeinsam auf Zeit den Glauben zu leben, der aus schlichtem Vertrauen lebt. Darum sind auch die Gesänge schlicht. Sie verzichten auf viele Strophen: Meist ist es nur ein Satz, der in mehreren Sprachen wiederholt wird, so dass sich das Stück schnell einprägt. Bald werden die Noten überflüssig, wer mag kann die Augen schließen und betend singen, sich mit der eigenen Stimme hineingeben in die Gemeinschaft der anderen.

Getragen wird der Gottesdienst von einem Team von über zehn Ehrenamtlichen. Im Vorfelde wurden liebevoll Gläser gestaltet, Jugendliche, die zum Teil schon einmal nach Taizé gereist sind, haben den Gottesdienstraum stimmungsvoll hergerichtet und lasen die Texte. Ein kleiner Chor fand sich extra für diese Andachten zusammen – es ist eine bunt gemischte Truppe von Menschen, die gerne singen. Sie haben sich eine gute Stunde vor Andachtsbeginn getroffen, um unter Anleitung von Kirchenmusikdirektor Paul Nancekievill die Stücke kurz zu proben, damit die Gemeinde es leichter hat.

Die ist bei diesem ersten Mal noch sehr zurückhaltend, mag vielleicht auch lieber erst einmal zuhören, denn es klingt wirklich schön. Der großartige Meldorfer Dom gibt – auch akustisch – eine Traumkulisse für den A-Capella-Gesang des kleinen Chores. „Vielleicht setzen wir uns nächstes Mal doch zwischen die Leute“, überlegt Nadia Kamoun, „jetzt für’s erste Mal musste sich der Chor noch ein wenig finden und festigen.“ Denn es soll gerne weitergehen: Immer am zweiten Donnerstag im Monat, am 9. Oktober also das nächste Mal, soll es im Dom um 19 Uhr eine Taizé-Andacht stattfinden.