Konzert im Rahmen des SHMF mit Pepe Romero und I Musici di Roma im Meldorfer Dom

Am Samstag, dem 7. Dezember, findet im Meldorfer Dom ein Konzert  mit Pepe Romero und I Musici di Roma statt. Beginn ist 20 Uhr. Auf dem Programm stehen Werke von Geminiani, Boccherini u. a.

Es heißt, das erste Geräusch, das Pepe Romero je gehört habe, sei der Klang einer Gitarre gewesen. Kein Wunder also, dass auch er der musikalischen Tradition der „königlichen Familie der Gitarrenmusik“ folgte und schließlich zu ihrem berühmtesten Vertreter und kreativen Kopf avancierte. Mit seiner unglaublichen Virtuosität, seinen faszinierenden Interpretationen und seiner perfekten Technik hat Pepe Romero die internationalen Bühnen erobert und ein weltweites Publikum beeindruckt. Seine Interpretationen des spanischen Gitarrenrepertoires sind bis heute maßgeblich, mit seinen Aufnahmen und in seinen legendären Meisterkursen sind zahlreiche Gitarristengenerationen herangewachsen, die von seiner technischen Meisterschaft und immensen Musikalität profitierten.

Andreas Guballa führte im Vorfeld ein Interview mit Pepe Romero, das er der Kirchengemeinde freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat:

Gab es je eine Wahl etwas anderes als Gitarrist wie Ihr Vater zu werden?
Nein, es gab nie eine Alternative, auch wenn ich nie gezwungen wurde, Gitarre zu spielen. Im Gegenteil, meine Eltern haben mich stets ermutigt, etwas anderes zu machen. Aber das Instrument hat mich ausgesucht. Ich bin in der Tradition der klassischen, spanischen Gitarrenmusik aufgewachsen und ich liebe Musik.

Wie war es zu Zeiten der Franco-Diktatur in einer Künstlerfamilie aufzuwachsen?
Es waren schwierige Jahre für ganz Spanien. Aber in unserer Familie herrschte ein liberales Klima. Bei uns verkehrten viele Künstler: Maler, Schriftsteller und Musiker aller Couleur, die eine Philosophie der künstlerische Freiheit pflegten. Das hat mich bis heute stark geprägt.

Als Sie nach Kalifornien ausgewandert sind, zogen Sie von einem Umfeld, in dem klassische Gitarre weit verbreitet war, an einen Ort, wo das Instrument überwiegend für Folkmusik bekannt war…
Wir zogen nach Los Angeles, wo es eine große spanische Gemeinde gab mit Menschen, die ebenfalls aus Kriegseuropa geflüchtet waren. Diese wußten natürlich, dass mein Vater Celedonio ein bekannter Gitarrenspieler war. Es gab dort viele Exil-Künstler, die sich gegenseitig unterstützten.

Schnell waren wir als Familienquartett Los Romeros mit meinem Vater und meinen Brüdern Celin und Angel auf ausgedehnten Tourneen im ganzen Land unterwegs und konzertierten auch in kleineren Städten, wo spanische Gitarrenmusik völlig unbekannt war. Aber die Menschen haben sich sofort in diese Musik verliebt. Sie sorgte für eine kleine Revolution. Schon bald haben wir an den Auftrittsorten Gitarrenkurse an amerikanischen Universitäten gegeben und später mit den großen Orchestern des Landes gespielt.

Gibt es einen Unterschied, ob man zusammen mit Familienangehörigen oder mit fremden Musikern spielt?
Technisch gibt es kaum einen Unterschied. Aber Musik kommt so tief aus dem Inneren, dass es schwierig sein kann, sich einem Fremden gegenüber emotional zu öffnen. Innerhalb der Familie gibt es ein angeborenes Vertrauen, auf das man bauen kann. Außerdem erleichtert es natürlich das gemeinsame Reise. Zunächst waren ja nur wir Brüder mit unserem Vater unterwegs. Später, als wir verheiratet waren, kamen oft unsere Frauen und Kinder mit auf Tournee. Das war immer wie kleine Zigeunerkarawane.

Sie sind nicht nur ein weltweit gefeierter Gitarrist, sondern unterrichten auch. Wie wichtig ist das für Sie?
Das ist sehr wichtig für mich. Als Künstler ist man mit einem Talent gesegnet, das man nicht für sich behalten sollte. Es wurde einem geschenkt, um es mit Menschen zu teilen und an zukünftige Generationen weiterzugeben. So wie ich das Glück hatte, in meinem Leben vielen talentierten Künstlern zu begegnen und von ihnen zu lernen, gebe ich mein Wissen gern an den Nachwuchs weiter. So entsteht eine Verbindung, um die Zukunft mit der Vergangenheit zu verbinden.

Viele berühmte Komponisten haben Ihnen Werke gewidmet. Wie ist es, gedruckte Noten lebendig werden zu lassen?
Notenblätter sind für mich wie eine Art Schatzkarte zu einer verborgenen Insel, die entdeckt werden muss. Zuerst begebe ich mich allein auf diese Expedition und wenn ich der Schatztruhe all ihre Geheimnisse entlockt habe, teile ich sie mit der Welt. Was mich wirklich berührt, ist aber, wenn ich Komponisten bei der Arbeit zusehen kann und dabei bin, wenn eine Idee entsteht und sie in Musik verwandelt wird.

Seit 1989 sind Sie regelmäßiger Gast beim SHMF und der JazzBaltica. Was bedeuten diese Festivals für Sie?
Beide Festivals sind für mich einzigartig. Ich erinnere mich an viele schöne Konzerte und Meisterkurse. Ich liebe die besondere Atmosphäre der verschiedenen Aufführungsorte, an denen man ganz ungezwungen Musik erleben kann. Und obwohl das SHMF in all den Jahren kräftig gewachsen ist und viele Weltstars zu Gast waren, ist an der simplen Idee, Musik direkt zu den Menschen zu bringen, festgehalten worden.

Sie kommen im Dezember zu zwei Weihnachtskonzerten nach Schleswig-Holstein. Worauf darf das Publikum sich freuen?
Ich habe zwei wunderbare, sehr lebendige Stücke im Gepäck. Das „Fandango“ des italienischen Komponisten und Cellisten Luigi Boccherini aus seinem Gitarrenquintett D-Dur Nr. 4 wird die Gitarrensaiten zum Glühen bringen und den iberischen Einfluss der Komposition deutlich machen.
Das zweiten Werk mit dem Titel „Concerto Festivo“ hat der puertoricanische Komponist und Gitarrist Ernesto Cordero mir im Jahr 2003 gewidmet. Die Komposition bezieht seine glutvolle Tonsprache und aufregenden Rhythmen von der heimatlichen Karibikinsel des Komponisten. Man hat das Gefühl, man wäre mitten in der Natur und hört förmlich tropische Stürme, wunderschöne Liebessongs und Melodien sowie wundervolle Rhythmen.

Begleitet werden Sie vom Ensemble „I Musici di Roma“. Was verbindet Sie mit den Musikern?
Wir pflegen eine langjährige Freunschaft, haben schon viele Auftritte zusammen bestritten und zahlreiche CDs eingespielt. Ich hege eine große Bewunderung für ihre Arbeit und das musikalische Erbe, das sie der Welt bereits hinterlassen haben. Es ist für mich eine große Freude, beim SHMF mit ihnen musizieren zu dürfen

Sie haben in diesem Jahr Ihren 75. Geburtstag gefeiert. Ist das Alter ein Thema für Sie?
Musik hält mich jung und macht mich glücklich. Ich fühle mich gesegnet, mit 75 Jahren noch so viele Auftritte bestreiten zu können und der Musik zu frönen. Nur wenn ich in den Spiegel schaue, erschrecke ich jedes Mal und denke: bin das ich? Aber ich wurde mit der Gitarre geboren und werde mit ihr sterben.

Restkarten für das Konzert gibt es bei der Tickethotline unter 0431 23 70 70 und an der Abendkasse.