Kirche Sarzbüttel wird 50 Jahre alt

webSarzbüttel – Die Geestkirche Sarzbüttel ist so ganz anders als ihre große Schwester, die St. Johannes-Kirche in Meldorf: Klein und schlicht drückt sie sich fast bescheiden an den Geestrand, und ihre Fassade mit dem schiefergedeckten Glockenstuhl kann es lange nicht mit dem berühmten Verwandten aufnehmen. Und trotzdem: Die Gemeinde liebt ihre kleine Kirche und feierte den 50. Jahrestag ihrer Grundsteinlegung mit einem fröhlichen Gottesdienst.

„Auf den Anfang kommt es an“, sagte Pastor Benjamin Pohlmann in seiner Begrüßung. Nachdem bereits 1956 der Kirchenvorstand den Kapellenbau beschlossen hatte, war es am Ostermontag 1964 so weit, dass die Gemeinde den Grundstein in die Erde senken konnte. Und damit begann die Geschichte der Kirche Sarzbüttel: Nach eineinhalb Jahren Bauzeit wurde das Gotteshaus im Oktober 1965 eingeweiht und ist seitdem fest im gemeindlichen Leben der Kirchengemeinde Meldorf verankert.

Die war denn auch gut im Gottesdienst vertreten: Paul Nancekievill spielte die Orgel, die Kantorei sang, und vor Beginn des Gottesdienstes hatte der Meldorfer Posaunenchor draußen auf dem Kirchplatz gespielt. Weitere Gäste waren Propst Dr. Andreas Crystall vom Kirchenkreis und die Tochter des Architekten Hanns Hoffmann, der damals die Entwürfe für gleich drei Kapellen in Dithmarschen geliefert hatte: Die Dorfkirchen von Reinsbüttel, Wrohm und Sarzbüttel sind baugleich, ihre Vertreter sprachen Grußworte im Gottesdienst.
Die Kirche Sarzbüttel ist Teil eines Kapellenbau-Programms, das in Schleswig-Holstein in den 1960er Jahren angeregt wurde. Dabei entstanden etwa 100 neue Gotteshäuser, teilweise mit aufregender, moderner Architektur und manche mit theologischem Tiefgang. „Man muss hier nicht in Ehrfurcht erstarren“, sagte der Propst, hier seien Popper, Punker und Gruftis konfirmiert worden und hätten sich hier vielleicht geborgener gefühlt als es im erhabenen Dom von Meldorf möglich gewesen wäre. Andreas Crystall erklärte der Gemeinde auch den Hintergrund des spitz zulaufenden Gebäudes: Die Zeltform erinnere an den Ursprung der jüdisch-christlichen Religion, an das wandernde Gottesvolk aus dem Alten Testament. Und das Zelt sei Sinnbild für Wandelbares, Vorläufiges und Unvollkommenes und für Begegnung einer lebendigen Gemeinschaft.

Um lebendige Kirche aus lebendigen Steinen ging es auch in der Predigt von Benjamin Pohlmann. „Jeder und jede ist wichtig“, sagte er und betonte die Bedeutung von Kirche im Dorf. Sie sei keineswegs ein weiterer Verein, sondern sei in allem bereits gegenwärtig und von daher auch nicht wegzudenken. Sie führe immer wieder hin zu dem Grundstein: Jesus Christus. Von ihm her wirkt die Kirche durch ihre lebendigen Steine im Dorf und setzt das um, was in der Gründungsurkunde als ihr Auftrag formuliert ist: „Mögen von ihr Segensströme in diese Gemeinde ausgehen, auf dass verschlossene Herzen aufgetan und aufgeschlossene Herzen getröstet und erhoben werden.“
Mit diesem Gottesdienst wurde ein ganzer Reigen von Veranstaltungen, die die „Bauzeit“ begleiten werden, eröffnet: Darunter sind ein Sommerfest, eine Church Night, ein moderner Gottesdienst, eine sogenannte „Zwischenstation“, mit Gästen, die im Laufe der Zeit in dieser Kirche getauft, konfirmiert oder getraut wurden. Und am 31. Oktober 2015, dem Reformationsfest, gibt es eine Fest-Zwischenstation zum 50jährigen Jubiläum der Einweihung mit anschließendem Empfang. Hier gibt es den Flyer zum Jubiläum.

Hier gibt es die Predigt von Pastor Benjamin Pohlmann zum Download.>/a>

Der Wortlaut der Urkunde zur Grundsteinlegung