Jesus trägt sein Kreuz

Er trug sein Kreuz und schleppte sich aus der Stadt hinaus zu dem sogenannten Schädelplatz, der auf Hebräisch „Golgota“ heißt.

(Johannes-Evangelium, Kapitel 19 Vers 17

In den Erzählungen aller vier Evangelien macht sich der von Folter geschundene und zum Tod verurteilte Jesus mit dem Holz auf seinen Schultern auf den Weg zu seinem Hinrichtungsplatz.

Was jedoch auffällt: Während bei Matthäus, Markus und Lukas ein zufälliger Augenzeuge von Soldaten gezwungen wird, dem zu geschwächten Verurteilten das Kreuz zu tragen, bleibt Jesus im Bericht des Evangelisten Johannes im wahrsten Sinn des Wortes hilflos und trägt sein Kreuz alleine.

Mich interessiert hierbei weniger die historische Frage, wie es denn nun genau war. Vielmehr bringen beide Varianten eine eigene Wahrheit zum Ausdruck: Es gibt Dinge, die können wir einander nicht abnehmen. Jeder Mensch lebt sein eigenes Leben und trägt dabei – im übertragenen Sinn – ein je eigenes Kreuz. Ob wir es nun Schicksal, Fügung, Zufall oder eben einfach Leben nennen – es gibt Herausforderungen, Erfahrungen und Entscheidungen im Leben, die ich keinem abnehmen kann.

Doch gilt ebenso: Ich lebe nicht nur für mich, sondern mit, neben und unter anderen. Und hier kann ich in Worten, Taten und Gesten helfen, zu tragen, Glück- und Unglück zu teilen, Anteil zu nehmen und mich als Mitmensch und Nächster zeigen. Jeder Mensch lebt nur sein eigenes Leben – aber niemand lebt nur für sich allein!

Text: Pastor Daniel Cremers

Musik: Kantorin Anne Michael über EG 97 – Holz auf Jesu Schulter