Hör-Erlebnis der besonderen Art: Constanze Saltzwedel und das Traumlied von Olav Åsteson

Mehr als eine Strunde a capella Sologesang, vorgetragen von Constanze Saltzwedel, die dabei nicht vor, sondern hinter den Zuhörern im voll besetzten Mittelschiff des Meldorfer Doms stand und damit im Grunde unsichtbar war, nahm die begeisterten Besucher mit auf eine spirituelle Erlebnisreise voller poetischer Klangbilder: das Traumlied von Olav Åsteson.

Ruth Schweiger erläuterte in ihrer Einführung, dass die Sage des Olav Åsteson, der am Heiligen Abend in einen 13 Tage andauernden Tiefschlaf fiel, vor vielen Jahrhunderten in Süd-Norwegen entstanden sei und seitdem als Sprechgesang  von Generation zu Generation weitererzählt wurde. Erhalten geblieben sind eine Einleitung, fünf Strophen und ein Epilog, die den Weg seiner Seele in „andere Welten“ beschreiben: durch die Elemente, auf die Gjallarbrücke, ins Paradies, in die Hölle sowie zum jüngsten Gericht. Am Ende stimmt Olav Åsteson einen Lobgesang an und kehrt gestärkt ins neue Jahr und ins Leben zurück.

Constanze Saltzwedel und ihrer klaren, warmen, ausdruckstarken Altstimme gelang es, die Zuhörer durchgehend in den Bann zu ziehen. Bis in die erste Reihe war jedes einzelne Wort der mittelalterlichen Bildsprache deutlich zu verstehen und ließ die eindringlichen Szenarien sozusagen vor dem geistigen Auge der Zuhörer sichtbar und spürbar werden. Dabei sang Constanze Saltzwedel die verschiedenen Melodien und jeweiligen Refrains mit viel Bedacht, langgedehnten Vokalen und langsam verhallenden Schlusstönen, was dem Hörgenuss weitere Intensität, aber auch eine gut dazu passende Zeitlosigkeit verlieh.

Nachdem Constanze Saltzwedel mit „wiedergewonnerer“ Seelenruhe durch das Seitenschiff nach vorne gegangen war, durften die Zuhörer ihrer Bewunderung und Begeisterung mit langanhaltendem Applaus endlich Ausdruck verleihen. Viele der zum Teil von weither angereisten Besucher sprachen sowohl Constanze Saltzwedel als auch Ruth Schweiger, die für das Zustandekommen dieses Konzertes mit seinen sicherlich noch lange nachklingenden Traumbildern gesorgt hatte, ihren persönlichen Dank aus.