Einführung von Pastor Benjamin Pohlmann

Am 11. Mai wurde Pastor Benjamin Pohlmann als Pastor in die 5. Pfarrstelle der Kirchengemeinde Meldorf in einem festlichen Gottesdienst durch Propst Dr. Crystall eingeführt. Damit wurde das seit dem 1. Februar 2011 bestehende „Dienstverhältnis auf Probe“  – Pastor Pohlmann war bis dahin lediglich „Pastor zur Anstellung“ – in ein lebenslanges Dienstverhältnis zur Nordkirche umgewandelt. Der Kirchengemeinderat hatte sich im Vorfeld einstimmig dafür entschieden, Pastor Pohlmann auf die 5. Pfarrstelle zu wählen. Der Dienst in Meldorf ist auf 10 Jahre befristet, denn alle 10 Jahre gibt es einen „Pastoren-TÜV“.

Die Bilder geben einen Eindruck vom Gottesdienst. Im Anschluss finden Sie die Predigt Pastor Pohlmanns.

Liebe Schwestern und Brüder in Christus,

da sieht man einen spannenden Film oder eine Serie und gerade dann, wenn es besonders spannend wird kommt sie –die Werbepause. „Bleiben Sie dran –gleich geht es weiter!“, wird uns versprochen. Manchmal wird sogar mit Zahlen zurückgezählt, wann es weitergeht. Irgendwie schon eine kluge Erfindung –solche Werbepausen, -denn genau wissen wir nicht, wie lange sie gehen und es gäbe kaum etwas Schlimmeres, als zu spät wieder einzuschalten und den spannendsten Moment verpasst zu haben.
Doch andererseits nutze zumindest ich die Werbepause immer um schnell noch was zu erledigen. Dranzubleiben fällt auch in anderen Situationen schwer. Ich mache mir nichts vor –das gilt sicherlich auch für fast jede Predigt. Am Anfang hört man vielleicht noch zu, -aber irgendwann verliert man den Faden und schweift ab. Dranzubleiben ist manchmal echt anstrengend. Und besonders dann, wenn einer ständig mir sagt: Hey, schlaf nicht ein. Hörst Du noch zu? Bist Du noch dabei?
Doch es gibt auch Situationen, wo das Dranbleiben ganz automatisch geht. Da ist einer verliebt und kann sich gar nicht satt sehen an seiner Partnerin. Oder wenn man ein spannendes Buch liest und wissen will, wie es weitergeht. Da werden auf einmal alle anderen Termine egal. Man muss doch dranbleiben. Es kommt also auf die Motivation an.
Wie bleibe ich denn eigentlich an Gott dran? Indem ich zur Kirche gehe oder Gutes tue?
Als Christ muss ich doch schließlich gute Früchte bringen, so wie wir es vorhin gehört haben.
Jesus meint das aber anders. Der Vater –Gott selbst –ist der Weingärtner. Die zweite Person von der Jesus redet, ist er selbst: der Weinstock. Um besser nachzuvollziehen, wovon Jesus redet, können wir auf das Bild schauen, dass auf dem Liedzettel abgedruckt ist. Der Weinstock ist der dicke, große Stamm. Und dann redet Jesus noch von uns: Wir sind die Reben. Als ich das erste Mal von diesem Bibeltext hörte, da war mir sofort klar: Die Früchte sind gemeint. Wir sind die Früchte. Doch bei genauerem Lesen und Hören sagt Jesus etwas anderes: Wir sind nicht die Früchte, wir sind die Reben –die kleinen Äste, die vom großen Stamm abzweigen und miteinander verbunden sind. An ihrem Ende –da wachsen Früchte. Wir sind also dieReben. Bei vielen von uns liegen die Reben auf einem Teller in der Küche oder im Esszimmer. Man genießt die leckeren Weintrauben und am Ende bleibt ein knöchriges Geäst über, das weggeschmissen wird. Wenn wir etwas länger warten mit dem essen, dann werdenauch manche Früchte schrumpelig und sind ungenießbar. Eins steht aber fest, -ist die Rebe erstmal auf dem Küchentisch, dann kann sie nicht mehr viel tun. Früchte bringen schon gar nicht. Die Rebe erfüllt nur dann ihren Zweck, wenn sie am Weinstock hängenbleibt. Dranbleibt. –Da haben wir es wieder dieses Wort: Dranbleiben. Wenn Jesus uns mit der Rebe vergleicht, dann müssen wir uns die Frage stellen: Woran hängen wir eigentlich? Martin Luther hat in seinem großen Katechismus es so konkretisiert: „Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott.“ –Wo bleibst du dran und schaltest nicht einfach um? Woran hängst Du dein Herz? Was ist für Dein Leben wichtig?
Vielleicht kommen uns Gedanken wie: Familie, Freunde, Ansehen, Gesundheit, der Beruf.
Woran hängst Du nun Dein Herz? Was ist die Quelle für Dein Leben?
Jesus ist in seiner Rede radikal. Er lässt nicht offen, woran man sein Herz hängen sollte. Seine Antwort ist klar: Ohne mich könnt ihr nichts tun. –Und genau da passt das Bild vom Weinstock und den Reben. Ohne den Weinstock gibt es nur ein Schicksal für die Reben: den Mülleimer.
Was ist also unsere Aufgabe?
Die Reben sind Mittler nicht Erzeuger. Die Welt dreht sich nicht um uns, -wir sind Mittler –Verbindungsstücke, die etwas übertragen sollen. Durch uns soll durchfließen, was nötig ist, damit in dieser Welt Früchte entstehen. Und wir sollen hingehen. Etwas tun. Nun ist das aber mit dem Tun so eine Sache. Viele Menschen tun gute Dinge und helfen anderen in ihren Schwierigkeiten und Nöten. Doch woher fließt die Kraft für ihre Frucht? Was ist die Motivation Gutes in der Welt zu tun? –Wer meint Christ zu sein heißt nichts anderes als Gutes zu tun, -der hat nicht zu Ende gedacht. Der gleicht einer Rebe in der Küche, die nicht am Weinstock hängt und am Anfang vielleicht noch viele Früchte trägt, -aber im Laufe der Zeit immer mehr verlieren wird. Die Kraft wird versiegen und falsche Erwartungen werden nicht erfüllt werden.
Frucht bringen, -dazu sind wir erwählt und bestimmt. Wir sollen dafür auch etwas tun, -aber es geht nicht ohne die Verbindung zum Weinstock. Wir müssen dranbleiben. Dranbleiben am Weinstock. Und nur dann kommen Früchte. Aber was sind denn die Früchte?
Die Früchte sind nicht gute Taten, -die Frucht, die in diese Welt übertragen werden soll ist die Liebe. Jesus sagt: „Wie mich mein Vater liebt, so liebe ich euch auch. Bleibt in meiner Liebe!“
Nun ist nicht alles, was aus Liebe geschieht ist erfüllt von Jesus, -aber alles, was Jesus erfüllen möchte hat als Frucht die Liebe. Da wo eigene Interessen im Vordergrund stehen, mein Zwang zu helfen oder der Druck von anderen, -da schwingt manchmal sogar auch Liebe mit, -aber eben nicht Jesus. Jesu Liebe verschenkt ohne etwas dafür zu erwarten. Er gibt sich bedingungslos hin. Er sagt: „Es gibt keine größere Liebe als dass einer sein Leben lässt für seine Freunde. Ihr seid meine Freunde.“ –Jesus gibt sich hin aus Liebe. Ihn zu spüren bleibt nicht nur Theorie –im Abendmahl kann ich genau diese Hingabe in mir aufnehmen. –Ja, Jesus will sich mit mir vereinigen und heilen, was in mir kaputt ist und wo ich durch vermeintlich gute Taten bisher versucht habe Früchte zu bringen.
Nun könnte man ja meinen –wird sind nur Mittel zum Zweck –ein Verbindungsstück –nicht viel wert. Dass Gott aber gerade Dich und mich befähigt Frucht zu bringen. Dass er nicht ohne uns sondern mit uns mitten im Alltag dabei sein möchte, dass zeigt doch, dass er unser Leben wertschätzt und achtet.
Gott bei mir, mitten im Alltag? Ist das wirklich so?
Genau das ist mit dranbleiben gemeint, online zu sein für Jesus, der immer und überall dabei ist. Es geht darum, offene Antennen zu haben für das, was Gott uns täglich schenkt. Aus dieser Dankbarkeit heraus wird das dranbleiben an Jesus keine Mühe, sondern das größte Bedürfnis.
Und dann werde ich herausgefordert auch in Entscheidungen nicht bei mir zu bleiben, sondern online zu sein für das, was Jesus mir sagt. Das ist ungewöhnlich, wenn plötzlich die Wahl meines Essens genauso zur Diskussion steht, wie meine Berufs-oder Partnerwahl. Wenn die Frage, ob ich mit dem Auto oder mit dem Fahrrad fahre genauso mit Jesus besprochen wird, wie die Frage, nach welchen Werten ich lebe. Doch genau das meint ständig online zu sein, dranzubleiben an Jesus. Wie gut, dass Du damit nicht alleine bist, sonderndass wir gemeinsam Jünger, ja Schüler von Jesus sind. Wir wollen lernen gemeinsam an Jesus zu bleiben, mit ihm zu reden und auf sein Wort zu hören. Wir wollen uns gegenseitig stärken, indem wir viel mehr noch darüber reden, wo ich Jesus im Alltag erlebt habe, das soll unser Weg sein und werden. Dann werden wir am Weinstock bleiben und viel Frucht bringen, eine Frucht, die bleibt.
AMEN.