A Capella Pur

„Karin Rehnqvist hat in ihrem umfangreichen Oevre von Chorkompositionen immer wieder die Verbindung von Stilelementen schwedischer Folklore und der Tradition gesucht. In I Himmelen greift sie auf das sogenannte Kulning zurück, eine samische Ruftechnik beim Zusammentreiben der Rentierherden“, lautete die Beschreibung zum ersten Lied im Programmheft, zu dem die  Sängerinnen durch den Dom schritten. Und es folgten noch weitere skandinavische Kompositionen der Romantik und der Moderne im Rahmen des Jubiläumskonzertes, das der Madrigalchor Kiel zusammen mit dem Männerensemble Quartonal im Meldorfer Dom gab.
Der Madrigalchor Kiel unter Leitung vin Friederike Woebcken

Sei es ein andachtsvoll gesungenes Bön (Gebet) der Sju Sånger, die lyrische Vertonung der Geschichte des Kung Liljekonvalje, ein auf den finnischen Komponisten Jaakko Mäntyjärvi zurückgehendes Wiegenlied oder die stimmungsvolle Beschreibung eines schwedischen Sommerabends – dank der jahrelangen intensiven Beschäftigung Friederike Woebckens, der Gründerin und seit 25 Jahren Leiterin des Madrigalchores Kiel, mit skandinavischer Chormusik, gelang den Sängern und Sängerinnen in jedem Fall eine ausdruckstarke und authentische Interpretation. Der Chor brillierte aber ebenso mit einigen Strophen aus dem Kantatenzyklus En soir de neige von Francis Poulenc, dem zeitgenössischen After Virtue von James MacMillan oder einer 10-stimmigen Version von Robert Schumanns Mondnacht. Mirko Ludwig, Florian Sievers, Christoph Behm und Sönke Tams Freier sind Quartonal

In der Vertonung des 100. Psalms von Felix Mendelssohn Bartholdy hatten die vier Sänger des Männerensembles Quartonal ihren ersten Soloauftritt, gefolgt von eigenen, virtuosen Programmpunkten, wie dem E cantico canticorum fragmenta des belgischen Komponisten Vic Nees. Auch mit einem Loblied auf die Damen und die Poesie (Serenade d’hiver von Camille Sains-Saens), dem Chant des oiseaux von Clément Janequin und der etwas makaber anmutenden Geschichte The Goslings von Frederick Bridge überzeugte das seit 2006 bestehende, mehrfach preisgekrönte Quartett aus Mirko Ludwig (Tenor), Florian Sievers (Tenor), Christoph Behm (Bariton) und Sönke Tams Freier (Bass) mit unglaublich deutlicher Aussprache, lupenreiner Intonation, homogenem Klang, feiner Dynamik und einer nicht zu verleugnenden Portion Humor und Charme. Zugaben wie „Go down Moses“ und „Dat du min Leevsten büst“ ließen erahnen, dass dieses Quartett noch sehr viel mehr zu bieten hat.

Das Publikum dankte beiden A-Capella-Chören für das abwechslungsreiche und sehr gelungene Jubiläumskonzert mit lang anhaltendem Applaus.